Große Sprünge, harte Landungen, verblockte Lines. Genau da will das NDURO 8 Freeride zuhause sein. Haibikes Gravity eMTB ist nicht für Kilometerfressen oder Tourenromantik gebaut – hier geht’s um Höhe, Tempo und Kontrolle. Die Eckdaten lassen wenig Spielraum: 180 Millimeter Federweg vorn und hinten, Mullet mit 29 Zoll vorne und 27,5 Zoll hinten, Rahmen aus Aluminium. Der Yamaha PW-X3 liefert 85 Newtonmeter Drehmoment und ergänzt das Konzept schlüssig. Freeride-Abenteuer in den Alpen, lange Tage im Bikepark. Passt.
Allround? Fehlanzeige. Das NDURO 8 Freeride versucht nicht, alles zugleich zu sein. Die Schwerpunktsetzung ist klar. Vorne die RockShox ZEB Ultimate Charger 3.1 RC2 mit 180 Millimetern Federweg: raues Gelände, steile Passagen, Sektionen, in denen Reserven wichtiger sind als Leichtbau. Am Heck arbeitet ein RockShox Vivid Ultimate im Format 225 x 75 Millimeter. Die Kombination lässt wenig Interpretationsspielraum. Kein E-MTB für den Allround-Einsatz, sondern eines für alle, die mit Absicht dort einbiegen, wo es ruppig, schnell und technisch wird.
Ein Gravity eMTB mit klarer Haltung
Deshalb wirkt das Gesamtbild stimmig. Der Lenkwinkel von 63,5 Grad bleibt über alle Rahmengrößen identisch – Laufruhe und Souveränität in der Abfahrt stehen im Fokus. Der Sitzwinkel liegt bei 75 Grad. Bergauffahren ist hier keine lästige Pflicht. Nach dem Run soll das Bike nicht im Shuttle verschwinden, sondern mit eigener Kraft wieder nach oben kommen. Genau an der Stelle spielt das e-System seine Rolle. Der Yamaha InTube 720-Wh-Akku und der PW-X3 bilden ein Paket für wiederholte Höhenmeter. Wer mehrere Abfahrten an einem Tag plant, bekommt die technische Grundlage dafür.
Die Geometrie zeigt, wie gezielt das Konzept angelegt ist. In Größe S steht ein Reach von 425 Millimetern im Datenblatt, in XL sind es 510 Millimeter. Der Radstand wächst von 1245 auf 1339 Millimeter, die Kettenstrebenlänge bleibt mit 460 Millimetern konstant. Das sind keine nüchternen Zahlenkolonnen. Sie beschreiben ein Bike, das Stabilität in schnellen, harten Passagen priorisiert und die Größen sauber aufbaut, statt nur den Sitzrohrbereich zu strecken. Im Gravity-Segment hängt das Fahrgefühl nicht an einem einzelnen Maß – es kommt aufs Zusammenspiel der gesamten Plattform an.
Das Mullet-Setup ist kein bloßer Trend
Die klarste Ansage am NDURO 8 Freeride ist das Mullet-Konzept. Vorn rollt das 29-Zoll-Laufrad, hinten arbeitet ein 27,5-Zoll-Rad. Auf dem Papier klingt das inzwischen vertraut. In der Praxis bleibt die Kombination an einem Gravity eMTB spannend. Vorne hilft das größere Laufrad, Hindernisse sauberer zu überrollen und in schnellen Felspassagen Ruhe zu bewahren. Hinten bringt das kleinere Rad die Beweglichkeit ins Heck, die in engen Kurven, beim Umsetzen in Anliegern und bei aktiver Fahrweise in der Luft spürbar wird.
Warum diese Kombination zum Einsatzbereich passt
Bei einem freeride-orientierten E-MTB entsteht daraus eine klare Balance. Das zusätzliche Gewicht eines Motorsystems verlangt Fahrstabilität und Traktion, besonders wenn das Gelände grob wird. Träge soll das Rad trotzdem nicht wirken – Richtungswechsel, Manuals, schnelle Korrekturen auf technischen Lines. Das Mullet-Setup antwortet auf genau diesen Zielkonflikt. Ruhe an der Front, spielerischer Charakter am Heck. Zusammen mit den 180 Millimetern Federweg ergibt das einen Aufbau, der auf brachiale Reserven setzt und im Grenzbereich Dynamik behält.
Starke Teile für harte Einsätze
Die Ausstattung ist passend gewählt. Schaltwerk Sram GX Eagle 12s und die GX-Eagle-Kette: ein Antrieb, der in der Kategorie etabliert ist und mit zwölf Gängen den Rahmen für steile Auffahrten wie für schnelle Transferstücke liefert. Noch wichtiger im Gravity-Einsatz ist die Bremsanlage. Vorn verzögert eine Sram DB Maven Bronze mit vier Kolben und 220-Millimeter-Scheibe, hinten arbeitet dieselbe Bremse mit 203-Millimeter-Scheibe. Die Dimensionierung sagt klar: keine symbolischen Sicherheitsreserven, sondern ernsthafte Standfestigkeit für lange und schnelle Abfahrten.
Cockpit und Kontaktpunkte fügen sich ein. Der Race Face Atlas mit 820 Millimetern Breite und 20 Millimetern Rise bringt Hebel und Kontrolle, die im steilen Gelände willkommen sind. Die Limotec A4H Dropper Post mit 125 Millimetern Hub stützt aktive Fahrpositionen bergab. fi’zi:k Terra Aidon X5 mit 160 Millimetern Breite, XLC GR-S34 Gravity Grip und VP Components VPE-527 Alloy mit Reflektor runden das Paket ab. Bei den Laufrädern setzt Haibike auf Mavic E-Deemax – vorne 30 Millimeter, hinten 35 Millimeter. Bereift ist das Bike laut Datenblatt mit Schwalbe Magic Mary, Super Trail, ADDIX Ultra Soft, 50EPI, 62-622. Allein der Reifenname steht seit Jahren für Ernsthaftigkeit im anspruchsvollen Gelände.
Rahmen, Größen und Charakter
Der Aluminiumrahmen mit Post-Mount-Scheibenbremsaufnahme passt zum robusten Ansatz. Vier Rahmengrößen von S bis XL, Rahmenform High. Das maximal zulässige Gesamtgewicht liegt bei 120 Kilogramm. Farblich tritt das NDURO 8 Freeride in titan/black/chrome – matt matt auf – sachlich genug, um den technischen Charakter nicht zu überdecken. Kein schriller Auftritt. Die Botschaft kommt über Proportionen und Ausstattung.
Am Ende steht ein Gravity eMTB, das konsequent für wilde Abenteuer gezeichnet wurde. Das NDURO 8 Freeride sucht nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern die Linie zwischen Bikepark, alpinem Freeride und motorisierter Wiederholung. Die Stärke liegt in der klaren Ausrichtung: viel Federweg, starke Bremsen, durchdachte Laufradkombination, kräftiger Yamaha-Antrieb mit 720-Wattstunden-Akku. Spannend für alle, die Abfahrt nicht als Nebensache sehen, sondern als eigentlichen Grund, überhaupt loszufahren. Der Preis: 7.499 Euro.
Bilder: Hersteller
FAQ
Für wen eignet sich das Haibike NDURO 8 Freeride am besten?
Für Fahrerinnen und Fahrer, die ein E-MTB mit klarem Fokus auf Abfahrt, technische Trails, Bikepark-Einsätze und alpines Freeriden suchen. Wer gerne springt, in ruppigem Gelände unterwegs ist und auch bei hohem Tempo ein sicheres Fahrgefühl erwartet, bekommt hier ein passendes Gesamtpaket. Weniger geeignet ist das Bike für klassische Tourenfahrer, die lange Distanzen, geringes Gewicht und maximale Vielseitigkeit priorisieren. Das NDURO 8 Freeride ist kein Kompromissmodell, sondern ein Spezialist für anspruchsvolle Einsätze – viel Federweg, Kraftreserven, deutlich gravity-orientierte Geometrie.
Welche Vorteile bietet das Mullet-Setup im Fahralltag?
29 Zoll vorne, 27,5 Zoll hinten – klarer Zweck. Das größere Laufrad vorne sorgt für bessere Überrolleigenschaften, mehr Ruhe im Fahrverhalten und zusätzliche Sicherheit in verblockten Passagen. Hinten bringt das kleinere Rad mehr Wendigkeit, ein aktiveres Handling und Vorteile bei engen Kurven oder schnellen Richtungswechseln. An einem Freeride-E-MTB ist die Mischung sinnvoll, weil sie Stabilität und Verspieltheit verbindet. Souverän auf schnellen Downhill-Sektionen, lebendig, wenn es auf Sprünge, Manuals oder kreative Linienwahl ankommt.
Kann man mit dem NDURO 8 Freeride auch bergauf sinnvoll fahren?
Ja. Genau das gehört zum Konzept. Das NDURO 8 Freeride ist klar für die Abfahrt gebaut, doch der Yamaha PW-X3 mit 85 Newtonmetern und der 720-Wh-Akku machen wiederholte Anstiege realistisch. Der Sitzwinkel von 75 Grad zeigt, dass Haibike das Uphill nicht ignoriert hat. Ein Bike mit 180 Millimetern Federweg und gravity-lastiger Geometrie fühlt sich bergauf nie so effizient an wie ein leichtes Trail-E-MTB. Trotzdem reicht die Eigenständigkeit für mehrere Runs ohne Shuttle. Für bikeparknahe Trails und alpine Wiederholungsabfahrten ein echter praktischer Vorteil.




