Fahrer eines schwarzen Lemmo 3 Longtail-E-Bikes mit einem Kind oder Haustier in einer Gepäckbox fährt auf einer Straße.
(Foto: lemmofuture.com)

Lemmo 3: Das Lastenrad für fast jeden Einsatz

Das Lemmo 3 kommt ganz selbstbewusst daher. Der Hersteller nennt es All Purpose Vehicle – ein Rad für ganz unterschiedliche Alltagssituationen. Es ist ein vollgefedertes Longtail, das zwischen normalem E-Bike und leichtem E-Moped liegt. Genau das gefällt mir. Es soll mehr sein als nur eine Transportkiste. Kita, Einkäufe, Wochenende, längere Touren – alles mit einem Rad.

Seitenansicht eines weißen und grauen Lemmo 3 E-Bikes mit Gepäckträger hinten und niedrigem Schwerpunkt.
Das Lemmo 3 wird als All-Purpose-Vehicle beworben und kombiniert die Funktionalität eines E-Bikes mit der eines leichten E-Mopeds. (Foto: lemmofuture.com)

Es soll Kinder mitnehmen, den Großeinkauf stemmen, am Wochenende rausfahren und auch mal über Kopfsteinpflaster oder schlechtere Wege kommen. Viele Cargobikes wirken auf mich zu wuchtig oder zu sehr auf einen einzigen Zweck gebaut. Das Lemmo 3 versucht, praktischen Nutzen und gutes Fahrgefühl näher zusammenzubringen.

Ein Longtail, das Komfort ernst nimmt

Das Auffälligste ist die Vollfederung. Bei einem Longtail sieht man das selten. Hinten gibt es 80 Millimeter Federweg mit hydraulischer Dämpfung und Hochlastfeder. Vorne eine hydraulische Federgabel mit ebenfalls 80 Millimetern. Dazu eine gefederte Sattelstütze mit 20 Millimetern Federweg und 90 Millimetern Schnellverstellung.

Im Alltag merkt man das sofort. Vor allem wenn die Kinder hinten sitzen. Die Federung sorgt dafür, dass sie ruhiger mitfahren und das Rad mit Zuladung besser zu kontrollieren ist. Dazu kommen die breiten Reifen mit rund 65 Millimetern. Der Hersteller spricht von 40 Prozent mehr Luftvolumen. Mehr Ruhe auf holprigen Wegen, weniger harte Schläge. Bei unseren täglichen Kita-Runden und Wochenendtouren mit dem Anhänger würde ich das direkt spüren.

Die spannendste Idee am ganzen Rad

Die Hinterradfederung ist für mich das Interessanteste. Der Hersteller sagt, es ist die erste richtige Hinterradfederung bei einem Longtail. Bei vielen Lastenrädern wird es den Mitfahrern hinten schnell ungemütlich, sobald Gewicht drauf ist. Hier soll die entkoppelte Rahmenarchitektur echte Federung liefern, ohne bei Traglast oder Stabilität Abstriche zu machen. Für ein Longtail ist das ein guter Gedanke. Der Platz hinten wird nicht als Anhängsel behandelt, sondern richtig mitgedacht.

Handlicher als viele Lastenräder

Trotz des langen Radstands bleibt es überschaubar. 195,8 Zentimeter lang bei 130 Zentimetern Radstand. Das liegt deutlich näher am normalen Fahrrad als die meisten ausladenden Frontlader. In der Stadt, wenn ich vor der Kita parke oder durch enge Straßen muss, zählt das riesig. Es lenkt sich vertrauter. Manövrieren, parken, in den Keller stellen – alles einfacher.

Die Geometrie ist auf Alltag ausgelegt. Aufrechte Sitzposition, gute Übersicht im Verkehr und Entlastung für Rücken und Schultern. Es passt für Fahrerinnen und Fahrer von 155 bis 195 Zentimetern. Lenkerwinkel und -höhe verstellbar, Sattel per Schnellhebel rauf oder runter. Bei uns zu Hause könnten so mehrere abwechselnd fahren.

Unterschiedliche Laufradgrößen mit klarem Zweck

Vorne 24 Zoll, hinten 20 Zoll. Das soll gutes Überrollverhalten vorne mit tiefem Schwerpunkt hinten verbinden. Für ein Longtail ergibt das Sinn: vorne mehr Ruhe auf unebenem Untergrund, hinten niedriger für Kinder und Last. Zusammen mit dem steifen Aluminiumrahmen wirkt es stabil gebaut.

Gebaut für Alltag, Kinder, Gepäck und Wege darüber hinaus

Die Zahlen zum Nutzwert sind klar. Zulässiges Gesamtgewicht 200 Kilogramm, davon bis zu 120 Kilogramm für den Fahrer, 80 Kilogramm am Heck und 20 Kilogramm am Frontgepäckträger. Die Heckplattform misst 700 Millimeter und ist MIK-HD-kompatibel. Dazu Frontgepäckträger und weiteres Zubehör. Es soll also echte Transportarbeit leisten, nicht nur gut aussehen.

Die Ausstattung zur Sicherheit ist umfangreich. Beleuchtung mit Fern- und Abblendlicht, automatischem Bremslicht und Blinkern links und rechts. Dazu ein Radar, das bis 100 Meter nach hinten schaut und Geschwindigkeit, Richtung sowie Abstand erfasst. Warnungen kommen aufs Display und per Ton. Wenn ich mit den Kindern unterwegs bin, finde ich das wichtig.

Ein Hebel, beide Räder

Ein Bremshebel bremst beide Räder gleichzeitig. Hydraulische Scheibenbremsen, vorne mit 230-Millimeter-Scheibe, hinten 180 Millimeter. Es sind 4-Kolben-Sättel verbaut. Genau das braucht man bei einem beladenen Longtail: berechenbares Bremsen ohne Hektik.

Viel Technik, aber nicht um ihrer selbst willen

Der Hinterrad-Nabenmotor liefert bis zu 90 Newtonmeter Drehmoment. In der EU 250 Watt, in anderen Märkten mehr. Der Akku hat 960 Wh mit Semi-Solid-State-Zellen. Bis zu 180 Kilometer Reichweite sind möglich. Für ein Lastenrad mit Kindern und Einkäufen klingt das nach weniger Ladestress und mehr Alltagstauglichkeit.

Die Schaltung arbeitet automatisch. Je nach Version mit elektronischem Kettenschaltwerk oder interner 3-Gang-Nabenschaltung plus Riemenantrieb. Sensoren für Drehmoment, Trittfrequenz, Geschwindigkeit, Steigung und Fahrerwünsche füttern ein KI-Modell, das den passenden Gang in Echtzeit wählt. Klingt nach viel Elektronik. Im Alltag soll es einfach nur bedienungsfreundlich machen.

Dazu kommen Touchdisplay, GPS-Tracking, 4G-LTE, App-Funktionen, Over-the-Air-Updates und siebenfacher Diebstahlschutz mit Rahmenschloss, Akkuschloss, Alarm und schlüssellosem Zugang. Das Lemmo 3 ist als modernes, vernetztes Lastenrad gedacht, nicht nur als Pedelec mit Motor.

Der Reservierungspreis liegt bei 1.890 Euro für die Version mit Kettenantrieb und bei 2.059 Euro mit Riemenantrieb.

Bilder: Hersteller

FAQ

Für wen eignet sich das Lemmo 3 am meisten?

Es passt zu Eltern, die mit einem Rad möglichst viele Wege abdecken wollen. Bei uns mit dem 3- und 6-Jährigen kann man beide Kinder mitnehmen und trotzdem noch Einkäufe erledigen. Pendler bekommen ordentliche Reichweite und Komfort. Auf unebenen Strecken fühlt es sich nicht gleich überfordert an. Im Vergleich zu manchen Babboe oder Urban Arrow bleibt es kompakter und wendiger. Wer klassische Lastenräder zu sperrig findet, aber trotzdem viel transportieren muss, sollte es sich genau anschauen.

Was unterscheidet das Lemmo 3 von vielen anderen Lastenrädern?

Es versucht, Transport, Komfort und Technik vernünftig zu mischen. Viele Cargobikes legen alles auf maximale Ladung und werden dadurch schwer und klobig. Das Lemmo 3 hat die Vollfederung, bleibt als Longtail relativ kompakt, setzt auf unterschiedliche Laufradgrößen und bringt Radar, Blinker und automatische Schaltung mit. Komfort für Fahrer und Mitfahrer hinten ist kein nettes Extra, sondern zentral mitgedacht.

Ist das Lemmo 3 eher ein Fahrrad oder schon ein Ersatz fürs Auto?

Es bleibt technisch und im Fahrgefühl ein Fahrrad. In der Praxis übernimmt es aber bei vielen Alltagswegen die Rolle eines kleinen Autoersatzes. Kinder, Gepäck, weitere Strecken – das klappt. Die Sicherheits- und Komfortfeatures machen viele Touren realistisch. Ein vollwertiges Auto ersetzt es nicht, besonders nicht bei richtig großen Transporten oder mehreren Erwachsenen. Für den typischen Kita-, Schul- und Einkaufsalltag in der Großstadt kann es bei vielen Familien trotzdem ein richtig guter Zweitwagen-Ersatz sein.

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